Die erste Woche in Calgari verbrachte ich damit, irgendwie die Genuafall Umlenkrolle zu ersetzen. Die Rigger in Spanien hatten eine zu kleine eingesetzt und diese ist in dem Moment aus dem Mast gekommen, als wir bei 25KN Wind nach Calgari aufgekreuzten.
Ganz wie es noch meinem innerlichen Programm entsprach, wollte ich so schnell wie möglich weiter. Als ich dann zum Ende der ersten Wochen erkannte, dass dies nicht so einfach wird, ließ ich innerlich los und und verbrachte 4 tolle Wochen in dieser besonderen Stadt.
Der Schiffshändler in Calgari hat Mühe die richtige Umlenkrolle zu bestellen und war sehr hilfsbereit und scheute keine Mühe. Da ich die originale Rolle nicht mehr hatte, war er auf meine Zeichnung mit den Maßen angewiesen.
Letztendlich kontaktierte ich HR-Parts, die mir eine Rolle aus deren Bestand nach Italien schickten. Da waren fast 4 Wochen vergangen.
An meiner Backbordseite in der Marina lag Rachele mit ihrer 50‘ Ketch und hatte ein Problem mit Ihrer Ankerwinsch. Ich half ihr spontan diese zu reparieren und merkte, dass ich anfing mich an die etwas andere Verlässlichkeit zu gewöhnen, mit denen hier Verabredungen getroffen wurden. Es machte sich in mir eine tiefere Gelassenheit breit.
Im Gegenzug zur Reparatur ihrer Winsch bekam ich eine Flasche selbstgemachte Mandelmilch und viele gute Gespräche.
Eines morgens war ich zu Fuß auf dem Weg mit zwei leeren Flaschen Campinggas und meiner faltbaren Sackgasse zu Fuß auf den Weg zu einem 2 KM entfernten Geschäft. Die Zeit zu haben irgendwohin zu Fuß hin gehen zu kőnnen und meine Umwelt bewusst wahrzunehmen, gab mir ein Gefűhl der Freiheit und den Genuss des Entdeckens.
Es wurde Anfang Juni bereits schon vormittags sehr warm und so glaubte ich an die bei Google veröffentlichten Öffnungszeiten und war Punkt 09:00 vor Ort. Wie konnte es anders sein, der Laden war noch geschlossen. Öffnungszeiten waren nicht zu sehen.
So blieb mir nichts anderes übrig, als im Café nebenan einen Kaffee zu trinken und den Laden im Auge zu behalten. Ca 30 Min. später sammelten sich die ersten Kunden vor der Tür und kurz darauf erschien die Ladenbesitzerin.
Als ich dann meine Flaschen gegen volle zu einem akzeptablen Preis getauscht hatte, wollte ich nett sein und den Hinweis geben, dass die bei Google angegebenen Öffnungszeiten nicht stimmen.
Ich erntete ein Stirnrunzeln und den Kommentar: “Just have a coffee and wait“!
An meiner Steuerbordseite in der Marina lag ein italienischer Schönheitschirug mit seiner 45‘ Segelyacht und bereitete sich auf die kommende 24 Stunden Clubregatta vor. Da er noch Crew brauchte, lud er mich kurzerhand ein und wir segelten am darauffolgenden Nachmittag nach Carloforte und hatten auf dem Törn eine Menge Spaß. Mit an Bord, Rachele mit Hund. Am nächsten Tag lud der Club zur Siegerehrung in ein nahegelegenes Fischrestaurant ein, wo alle 120 Teilnehmer bestens verköstigt wurden und wir verbrachten einen unvergesslichen Abend.
Das ich in den ersten Tagen so schnell wie möglich weiter wollte, hatte ich komplett vergessen.
Gelassenheit beginnt im Kopf