Die Erkenntnis, dass ich mein Leben verändern möchte und welches Lebensgefühl ich damit verbinde, war in meinem Bewusstsein angekommen. Die Entscheidung zu treffen und mich endgültig auf den Weg zu machen stand allerdings noch aus. Den ersten Schritt, den ich dazu machen musste, war mein Unternehmen zu verkaufen und mit meiner damaligen Frau einig zu sein.
Die Vorstellung das Vorhaben wirklich in die Tat umzusetzen, löste in mir eine ganze Reihe von inneren Konflikten und Selbstzweifel aus und letztendlich auch Ängste.
Ich begann damit einen Finanzplan zu erstellen, der vorsah, dass ich in 5 Jahren so weit war, endgültig in ein anderes Leben einzusteigen. Ich vermeide an dieser Stelle bewußt den Begriff „Ausstieg“, weil ich der festen Überzeugung bin, dass man aus seinem Leben nicht aussteigen kann, sondern lediglich in einen neuen Abschnitt einsteigt, wenn man einen vorangegangenen beendet hat. Soweit möglich, sollte der vorangegangene Abschnitt in Harmonie beendet werden. Später musste ich feststellen, dass diese Vorstellung für mich nicht so umsetzbar war, wie ich es mir gewünscht hatte, doch dazu komme ich noch in einem anderen Kapitel in diesem Blog.
Mein erstellter Finanzplan gab mir Sicherheit das Ziel zu erreichen und die weitere Entwicklung strukturiert verfolgen zu können und aufkommende Probleme rechtzeitig zu erkennen.
Mit dieser gewonnenen Sicherheit fing ich an meinem näheren Umfeld von meiner Absicht zu erzählen und traf dabei natürlich auf die unterschiedlichsten Meinungen. Die Einwände und gut gemeinten Ratschläge anderer verwandelten mich hin und wieder in eine emotionale Waschmaschine. Entweder ich befand mich im Schonprogramm oder auf der höchsten Schleuderstufe. Damit war ich mittendrin in meinem Veränderungsprozess. Mittendrin im Abenteuer Leben.
Eines abends saß ich allein im Wohnzimmer in einem gemütlichen Sessel und stellte mir die Frage: “Wie verkaufe ich ein Unternehmen“? Neugierig fing ich an im Internet zu suchen und fand eine Unternehmensbörse. Es schien einfach zu sein, sein eigenes Unternehmen vorzustellen und ich schrieb noch am selben Abend an einer Präsentation.
Die Stimmen der Skeptiker
Mich überkamen Selbstzweifel und ich hörte die Stimmen der äußeren und inneren Skeptiker. „Willst Du das wirklich tun?“, „Nach all den vielen arbeitsreichen Jahren und kurz vor der Rente, Deinem Leben noch einmal eine neue Richtung geben“?, „Such Dir einfach einen Geschäftsführer und bleib Gesellschafter und genieße Dein Leben“, „In Deinem Alter sollte man klüger sein“, „Verspätete Midlife Crisis“, „Was machst Du, wenn Du dann krank wirst?“, „Du wärst nicht der erste, der sich verrechnet“, “Spätestens nach 3 Monaten nichts tun, fällt Dir die Decke auf den Kopf“, „Kann ich mir bei Ihnen gar nicht vorstellen“, „Viele bekommen dann einen Herzinfarkt, wenn sie aufhören zu arbeiten“.
Das löste eine innere Unruhe bei mir aus und ich schaffte es nicht die Präsentation einzustellen. Was folgte, war eine schlaflose Nacht. Am nächsten Tag ließ mich der Gedanke daran nicht mehr los und ich erinnerte mich an die Erkenntnisse aus meinem Coaching:
“Folge Deiner Intuition“ und „Wie fühlt es sich an, es nicht zu tun?“
Vor die Zweifel und den damit verbundenen kritischen Gedanken schoben sich wellenartig die emotionalen Bilder aus meinen Erinnerungen und Vorstellungen. Dieses innere Ringen mit mir selbst, gab mir das Gefühl nicht leichtfertig zu handeln und ich stellte mein Unternehmen auf dem Portal ein. In dem Moment trat eine tiefe innerliche Ruhe ein und ein intensives Glücksgefühl. Ich fühlte mich tatsächlich so, als ob ich mein Unternehmen bereits verkauft hätte und von allen Belastungen befreit worden wäre. Die Erinnerung an diesen Moment gab mir später immer wieder die Energie auf meinem Weg zu bleiben.
6 Wochen später meldeten sich zwei interessierte Parteien.