Ende September 2022 beendeten wir die Segelsaison in Preveza und ließen die TWIST in guter Obhut in der Cleopatra Marina/Preveza. Ein paar Monate später trennten wir uns nach 28 Jahren.
Fűr mich war es unmöglich wieder in Dűsseldorf zu leben und unsere Vorstellung zur weiteren Gestaltung der Zukunft lag zu weit auseinander. Als ich noch ein Jahr vorher als geschäftsführender Gesellschafter tätig war, beantwortete ich die Frage was denn eigentlich mein Plan sei mit dem Satz:“Ich will mein Leben zurűck.”
Im Herbst 2022 hatte ich das intensive Gefühl, dass ich mein Leben schon ein ganzes Stück zurück hatte. Der Gedanke und die Vorstellung von diesem Weg jetzt abzuweichen schnűrte mir die Kehle zu und ich bekam innerlich den Drang mich Bewegen zu műssen und reiste alleine nach Schweden in unser Haus.
In der Abgeschiedenheit dieses phantastischen Ortes, wo der nächste Nachbar 2,5 Km entfernt lebt und es bis zum Supermarkt 12 Km sind, fasste ich den Entschluss wieder als Skipper zu arbeiten und belegte einen Kurs zum Yachtmaster Offshore, denn meine deutschen Segelscheine haben international kaum eine Anerkennung.
Zu Weihnachten erhielt ich Besuch von meiner Tochter, zu der ich ein sehr inniges Verhältnis habe und mit der ich mich auch ohne Worte verstehe.
Ein Lebensgefühl drückt sich in Entscheidungen aus, die bewusst getroffen werden und vom Unterbewussten gesteuert sind.
Rückblick. Meine Mutter hat mich, als ich 5 Jahre alt war, mit einem kleinen Koffer in ein Taxi gesetzt, dass mich zu meiner Oma gebracht hat.
Mein Gedanke damals war:“ Jetzt bist du auf dich alleine gestellt“. Das war das letzte mal, dass ich meine Mutter gesehen habe. Meine weitere Kinder- und Jugendzeit war zwischen normal und sehr turbulent.
Mitten in der 12. Klasse, also ein Jahr vor dem Abitur, wurde ich 18 Jahre alt und meldete mich selber von der Schule ab und bewarb mich erfolgreich auf eine Ausbildungsstelle als Landmaschinenechaniker. Da ich noch ein paar Monate bis zum Beginn meiner Ausbildung Zeit hatte, arbeitete ich als Stauer im Düsseldorfer Hafen, kaufte mir ein Motorrad und ging ein paar Wochen auf Tour.
Als ich wieder zurück war, lag die Kündigung meiner Ausbildungsstelle im Postkasten und meine verzweifelte Stiefmutter fragte mich, was ich jetzt machen wollte.
Inspiriert von eine Ausstellung der deutschen Seeschiffahrt, antwortete ich:” Zur See fahren!”
Ich nahm Kontakt zur Heuerstelle in Hamburg auf und dort empfahl man mir, zunächst eine Mechaniker Ausbildung an Land abzuschließen, weil sich die Berufsbilder in der Seefahrt gerade ändern. Ich brauchte Zeit um nachzudenken und ging erstmal feiern.
Eine Woche später lag ein Brief im Postkasten mit einer Entschuldigung, dass man dem falschen Azubi gekűndigt hätte und wenn bei mir noch Interesse bestűnde, dann könnte ich im August meine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker beginnen.
Was Du aussendest, ziehst Du in Dein Leben.
Kaum hatte ich nach 2,5 Jahren meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, verließ ich meinen Ausbildungsbetrieb und machte mich auf den Weg nach Hamburg.
Dort lernte ich auf der Seefahrtschule den Kapitän eines 1895 gebauten Segelschiffes kennen, der mich als Deckshand & Maschinist anheuerte. Schon war ich mitten drin in meinem ersten Abenteuer. 6,5 Monate mit schwer erziehbaren und kriminellen Jugendlichen an Bord. Von Mallorca űber Sizilien, Sardinien, Ägäis, Sűdspanien, England, Frankreich bis Hamburg.
Dieses Leben passte perfekt auf mein inneres Survivalprogramm. Meine Kindheit und meine Zeit als als Seemann ist meine Prägung. Es fűhlt sich an wie Heimat ohne Ort.
Du kannst reisen wohin Du willst und soweit Du willst. Du kommst immer bei Dir selber an.