Ich wusste was ich wollte und ich war mir sicher, dass ich einen Weg finden werde.
“Kennst Du die Konsequenzen und Du fühlst und weißt, dass Du sie akzeptieren und mit ihnen Leben kannst, dann wird Dein Weg erfolgreich sein“.
Mein Leben zu diesem Zeitpunkt war komfortabel und mir war klar, dass ich dieses Lebensniveau in meinem zukünftigen neuen Leben nicht werde halten können.
Wieviel Verzicht war möglich?
Nachdem ich ein Jahr lang jede private Ausgabe in einer Haushaltsapp genau festgehalten hatte, versuchte ich ein monatliches Budget zu definieren, welches uns zukünftig zur Verfügung stand.
Damit ich die „Konsequenzen“ nicht nur in meiner Excel Tabelle sah, fingen wir mit dem Verzicht an und stellten fest:“Gar nicht so einfach“.
Es dauerte ein weiteres Jahr, bis wir das Gefühl hatten unsere privaten Ausgaben sind jetzt auf einem niedrigeren Niveau. Es war allerdings immer noch zu hoch.
„Lockdown“
Dann kam der 13.3.2020. Um 09:00 morgens erhielt ich die behördliche Aufforderung mein Unternehmen bis spätestens 12:00 Uhr für zunächst 2 Wochen zu schließen. Es wurden dann 6 Wochen.
Nach ein paar Tagen saß ich dann alleine in meinem Büro und genoß die Ruhe. Ich empfand diesen Stillstand als entlastend. Als Unternehmer hatte ich nichts falsch gemacht und bis zum 12.3.20 hatte ich einen blühenden Laden. Meistens mehr Arbeit als zu schaffen war.
Die Coronazeit hat uns in unseren Verzichtsübungen deutlich beschleunigt und die Tatsache, dass vieles gar nicht möglich war, hat uns den Verzicht erleichtert und uns dankbarer werden lassen.
Ich empfand dieses nicht konsumieren können als entspannend.
Heute benötige ich gerade mal 25% von dem Budget, welches ich zu dieser Zeit zur Verfügung hatte und fühle mich gesünder und glücklicher.
„Der Prozess des Loslassens von dem was immer war und noch ist, macht frei, entspannt und erzeugt Ängste und Selbstzweifel zugleich.“
Eine persönliche Veränderung, insbesondere wenn sie tiefgreifend und nachhaltig ist, verunsichert das persönliche Umfeld. Einen Plan zu haben, der vorsieht aus dem eigen Haus auszuziehen, es zu vermieten, das Unternehmen zu verkaufen, auf ein Auto zu verzichten und im Sommer auf dem Boot zu leben und im Winter im Ferienhaus in Schweden in der absoluten Abgeschiedenheit zu sein, ist für die allermeisten Menschen eine extreme Lebensweise.
„Das eigene Weggehen wird von einigen Mitmenschen als Ablehnung empfunden und als negative Wertung der Lebensform der Bleibenden.“
Solange der positive Gedanke und die intensive Emotion bei der bildhaften Vorstellung des Ziels erhalten bleibt, werden entstehende Ängste und Selbstzweifel überwunden.
Umso öfter diese Überwindung, bewußt oder unbewußt stattfindet, je weiter wird die eigene Veränderung manifestiert und je selbstverständlicher werden die damit verbundenen Konsequenzen akzeptiert.
Im Spätsommer 2018 hatte ich bereits 52% meines Unternehmns an Investoren verkauft und der Vertrag sah vor, dass zum Ende 2021 meine Gesellschafter meine verbleibenden 48% übernehmen und sich um einen Nachfolger für mich bemühen. Leider habe ich für mich zu spät gemerkt, dass diese Bemühungen nur halbherzig vorangetrieben wurden, was letztendlich im Jahr 2021 zum Zerwürfniss führte und nach meinem Ausscheiden das Unternehmen seine besten und wichtigsten Kunden verlor und innerhalb von 1,5 Jahren 70% des Personals gekündigt hatte und ersetzt werden musste.
Das war die härteste Zeit als Unternehmer. Zu sehen, dass das was ich geschaffen hatte zerfiel und mir suggeriert wurde, dass nur ich dies verhindern kann, indem ich bleibe. In dieser Phase war meine persönliche Veränderung bzw. Haltung bereits so weit fortgeschritten, dass der Gedanke zu bleiben, für mich unerträglich war.
„Papa, wenn Du das tust, dann wirst Du krank.“
Da der Unternehmenskaufvertrag ergebnisabhängig war, erhielt ich für meine verbleibenden 48% einen überschaubaren Zuschuß zu meiner Reisekasse, da wir durch die Belastungen aus der Coronazeit keine nennenswerten Ergebnisse erzielen konnten. Interessant war, dass meine Gesellschafter nicht geglaubt haben, dass ich wirklich gehe.
„Somit war das worstcase Szenario aus meine Exceltabelle eingetroffen und ich stand vor der Herausforderung, wie ich die nächsten 7 Jahre finanziere.“ Ich wusste nicht genau wie, war mir aber sicher, dafür eine Lösung zu finden.