Der Seelenwunschkompass

„Jedem Erfolg geht ein Leiden voran.“

Eines Nachmittags schloss ich mich im Büro ein, setzte mich auf den Boden und empfand alles nur noch sinnlos. Das war 2017. Heute, 2024, sitze ich im Cockpit meines Schiffes vor Anker in einer Bucht mit wunderbar klarem Wasser und schreibe diese Zeilen.

Voller Dankbarkeit für alle diese wunderbaren Momente.

An diesem Nachmittag im Büro wurde mir klar, dass ich etwas tun muss. Etwas für meine mentale Gesundheit. Ich sah es zu diesem Moment noch aus der Perspektive des Verantwortlichen, des Geschäftsführers. Verantwortlich u.A. für 45 Mitarbeitende. Menschen die ihre Existenz auf das monatliche Einkommen aus meinem Unternehmen aufbauten. Weniger sah ich meine eigenen Bedürfnisse.

 Ich suchte im Internet nach einem Coaching und fand ein 4-Tages Seminare mit dem Titel:
„Du bist der Held in Deiner Welt“. Der Titel des Seminars berührte mich und ich meldete mich an.

 Diese 4 Tage waren der Beginn eines nachhaltigen Veränderungsprozesses und war der Start der Reise zu mir selbst. Eine Aufgabe, die den Teilnehmenden gestellt wurde, „Der Seelenwunschkompass“, war wie ein Schlüssel zu einem in mir vergessenen Raum. Bei dieser Aufgabe ging es um die Frage:

 „Was willst Du wirklich?“

Im Laufe der Auseinandersetzung mit dieser Aufgabe kam ich in einen emotionalen Flow und so schnell wie mir meine Gedanken durch den Kopf schossen, konnte ich kaum Schreiben. Es brannte förmlich ein Feuerwerk in mir ab, ich glühte innerlich und alles Angestaute und Verdrängte bahnte sich ungehemmt seinen Weg nach außen.

Das Gefühl ein erfülltes Leben zu leben, was mir abhandengekommen war, bedingt die Kenntnis und die Bewusstheit über die eigenen Werte.

Bei mir sind es u. A. „Freiheit“, „Abenteuer“, „Naturverbundenheit“, „Respekt“, „Liebe“ und „Professionalität“.

 Wie wollte ich diese Werte leben? Ich stellte mir die Frage, ob ich diese überhaupt in meinem jetzigen Leben lebe und welche Bedeutung jeder dieser Werte für mich hat.

Erst nach dem Seminar hörte ich einen Podcast mit einem Kampfsportler und Mentaltrainer. Er hatte eine beeindruckende Methode, wie er wichtige Entscheidungen trifft oder sich auf Wettkämpfe vorbereitet. Er betritt seinen Raum der Imagination, indem alles möglich ist und es keine Beschränkungen gibt. Die eigene Phantasie darf hier ungehemmt kreativ sein. Erst dann, wenn das, was er in seiner Vorstellung als intensive nachhaltige Emotion wahrnimmt, weiß er, dass er auf dem richtigen Weg ist. Gedanken werden somit zu Absichten.

Die Vorstellung weiterhin mein Unternehmen zu führen, weiterhin das Unternehmen wachsen zu lassen und weiterhin mehr Vermögen und Ansehen zu schaffen, löste bei mir eher Unbehagen aus. Symptomatisch war die Reaktion auf diese Vorstellung, dass meine Stimme gepresster wurde. Ich fing an mich ständig zu räuspern. Etwas was ich heute noch habe, wenn mich etwas stresst und mir echtes Unbehagen bereitet. Es ist so, als ob mir jemand meinen Hals leicht zu drückt. Früher habe ich dagegen Bonbons gelutscht, die ich in der Apotheke gekauft habe. Heute weiss ich, dass es ein Warnsignal ist.

Ich kramte Bilder aus meiner Erinnerung hervor und die stärksten Emotionen weckten die Erinnerungen an meine Zeit als Seemann. Speziell die Erinnerung, als ich als Deckhand auf einem 1895 gebauten Segler von Malaga nach Penzance gesegelt bin. Ich kann mich noch genau an die Tage erinnern, als ich dem Segelvirus endgültig verfiel.

Blauer Himmel mit weißen Kumuluswolken, Bft5 und tief blaues Wasser. Es gab natürlich keinen Autopilot und am Ruder stehend segelte ich die Wellen so aus, wie es mir Fred, der Kapitän, gelehrt hatte.

 Selbst heute beim Schreiben dieser Zeilen bekomme ich immer noch Gänsehaut.

In diesem Moment war mir klar, wie ich meine Werte leben wollte und was für mich ein erfülltes Leben bedeutet. Damit war meine Vision geschaffen und mit einer starken Emotion verknüpft und ich stand vor einer schweren Entscheidung.

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